Düsseldorfer Nächte: Ein Drink im Phoenix, lecker Essen im U.

Cooles Ambiete aus den 60er Jahren an der Bar des Phoenix im Dreischeibenhaus.

Cooles Ambiete aus den 60er Jahren an der Bar des Phoenix im Dreischeibenhaus.

Keine Chance auf einen Tisch am Samstagabend. Zumindest nicht kurzfristig. Erst seit kurzer Zeit ist das „Phoenix“ aus der Asche des lange verwaisten Dreischeibenhauses zwischen Kö und Schauspielhaus empor gestiegen. Und die Düsseldorfer platzen anscheinend vor Neugier auf den mit viel Kunst dekorierten Fresstempel in der früheren Thyssen-Zentrale. Wir natürlich auch, als wir Freunde in der bösen Stadt besuchen und ein Drink an der Bar sorgt schließlich auch für einen ersten Eindruck.

Köstlich: Zander mi Nusskruste auf Couscous und Curryschaum.

Köstlich: Zander mit Nusskruste auf Couscous und Curryschaum.

Der Wow-Effekt stellt sich schon in der Lobby ein, wo der Blick auf eine rostfarbene Plastik des Wahl-Wuppertalers Tony Cragg fällt. Bonner kennen die an Kurbelwellen erinnernden Gebilde vom Blumenmarkt, wo eine goldene Variante steht. Auf dem Boden: schwarz-grüner Marmor. Nur eines der Relikte aus den 50er und 60er Jahren, in denen die Architekten Helmut Hentrich und  Hubert Petschnigg zusammen mit Fritz Erler, Erich Moser und Robert Walter das Haus im Auftrag der Phoenix-Rheinrohr AG geplant und gebaut haben. Auch im Restaurant, das der Gast durch eine schwere gepanzerte Tür betritt, erinnern Interieur und Kunst an diese Zeit. Weit weniger gestrig: die Gin-Auswahl, die den Hype der vergangenen Jahren widerspiegelt. Nett und auskunftsfreudig agiert der Barkeeper, der nicht nur den mit Primitivo gewürzten Gin Rouge namens Madame Geneva empfiehlt, sondern auch von der Dachterrasse oben im Haus berichtet, die für Veranstaltungen zu mieten ist. Mit Koriander gewürztes Popcorn stillt den ersten Hunger und der mit Pampelmusenscheibe servierte rote Gin macht Lust auf mehr. Ebenso wie die verführerischen Gerüche, die von den Tellern herüber ziehen. Beim nächsten Mal im Phoenix, sagen wir und ziehen weiter.

Weit weniger edel geht es im „U. das Restaurant“ gleich um die Ecke zu. Ein witziges Konzept von Bastian Falkenroth, das auf verschiedenen Nutzungen zu verschiedenen Tageszeiten basiert. Tagsüber werden im „Kaffee Uhlenbusch“ Stullen geschmiert, abends gibt es aus der von der Straße einsehbaren Küche feine Dinge in hemdsärmeliger Atmosphäre. Auch wenn die mit dunkelrotem Siegellack verplombte Speisekarte ganz schön was hermacht. Wir sitzen zu viert an einem langen blank gescheuerten Tisch, das andere Ende ist an ein anderes Paar vergeben. Das 6-Gänge-Menü „Chef`s Choice“ (69 Euro) ist schnell gewählt. Geht allerdings nur tischweise, zumindest der bekannte Teil muss mitziehen. Auf die Weinbegleitung verzichten Ute, Hans Gerd, Peter und ich zugunsten eines Mosel-Rieslings namens Purist von Axel Pauly. Überhaupt ist die Weinauswahl, die unter dem Namen „Traubenschlag“ auch außer Haus verkauft wird, mal originell anders und fern des üblichen Mainstreams.

Rib Eye als Carpaccio mit Foccacia und den leckeren Brötchen im Pergamentpapier.

Rib Eye als Carpaccio mit Foccacia und den leckeren Brötchen im Pergamentpapier.

Anders auch die frisch gebackenen Brötchen im Pergamentpapier, die mit Butter, Humus, Ur-Möhre und einem Chutney aus Ingwer und Erdnuss auf den Tisch kommen. Roh mariniertes Rib Eye mit Tasty Tom Tomaten kommt im Untersetzter eines Blumentopfs auf den Tisch. Große Klasse: Lachstatar auf Kokos-Tapioka mit Ponzu Sauce. Geteilter Meinung sind wir über den Geschmack des in Rotkohl geschmorten Lauchs mit Lardo und Croutons. Optisch ist der Teller eine Show: An Kirchenfenster erinnern die Rotkohl-Tränen. Ute und mich versöhnt der anschließende Fisch-Gang auf Couscous. Entenbrust kommt mit Maronen, Kürbis und Aprikose auf den Teller und passt hervorragend zu unserem Spätburgunder aus der Pfalz. Obwohl die einzelnen Portionen nicht so groß sind, sind wir froh, nicht das Menü mit acht Gängen genommen zu haben. So passt das Dessert aus Guanaja Schoki mit Zitrusfrüchten noch, auch wenn ich als alter After-Eight-Hasser dabei gut auf die Pfefferminze hätte verzichten können. Ansonsten, das müssen wir festhalten, ist ein Abend in der verbotenen Stadt gar nicht so schlimm.

Versiegelt: Die Speisekarte im "U. das Restaurant".

Versiegelt: Die Speisekarte im „U. das Restaurant“.

Phoenix Restaurant & Bar, Dreischeibenhaus, 40211 Düsseldorf, Telefon en0211-30 20 60 30, info@phoenix-restaurant.de, Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 12 bis 14.30 Uhr, ab 18 Uhr, sonntags ab 18 Uhr

U. das Restaurant, Klosterstraße 34, 40211 Düsseldorf, Telefon 0211-91 33 69 92,
eat(@)u-dasrestaurant.de, Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 9 bis 23 Uhr
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