Peters Sauvignon-Blanc-Probe

Peter und seine Weinauswahl.

Schon seit Monaten hat Peter im Keller weiße Sauvignons aus aller Welt gehortet. Seit einem Neuseeland-Urlaub am Ende der Studentenzeit ist die Rebsorte im ans Herz gewachsen, die im kühlen Klima von Marlborough gut gedeiht und wunderbare, nach frisch gemähtem Gras, Stachel- oder Johannisbeere schmeckende Weißweine hervorbringt. Aber auch in Südafrika, der Steiermark, Südtirol und inzwischen immer häufiger auch in Deutschland gibt es überzeugende Sauvignon Blancs. Die ursprüngliche Heimat der Traube ist allerdings das französische Loiretal ist, wo sie als Sancerre oder Pouilly-Fumé von sich reden macht.

Insgesamt 15 Flaschen aus sechs Ländern sollten in Peters Sauvignon-Blanc-Blindverkostung geöffnet werden. Der günstigste Wein für sechs Euro die Flasche, die teuersten für mehr als 25 Euro. Eingeladen wurde ein ganzes Rudel wissbegieriger Weintrinker, die nach mit Listen der 15 Weine und Stiften ausgestattet die Gläser kreisen ließen, schmeckten, stöhnten, notierten und probierten. In einer Zinkwanne vom Flohmarkt lagen die Flaschen mit den Resten auf Eis, nachdem jeweils ein halber Liter jedes Weins in eine neutrale Karaffe abgefüllt worden war. Ein zusammengefalteter Zettel mit des Rätsels Lösung klebte mit Tesafilm auf dem Bauch jeder Karaffe. Dann durcheinander mischen und mit einem Edding durchnummerieren. „Sehen aus wie Urinproben“, sagte fast jeder Gast beim Blick in unseren Kühlschrank, aus dem die Karaffen nach und nach hervorgezaubert wurden.

Der Inhalt des Kühlschranks und der Zinkwanne: Fünf Südafrikaner und zwar La Motte, Jahrgang 2011, aus Franschoek,  Anura Reserve aus 2008, Simonsberg/Parl, Fleur du Cap, Jahrgang 2010 aus Stellenbosch, Groot Constantia von 2009 und die Private Collection des Weinguts Spier aus dem Jahrgang 2008, ebenfalls aus Stellenbosch. Die beiden Neuseeländer Nautilus und Cloudy Bay, beide Jahrgang 2009 aus Marlborough. Mantele von der Kellerei Nals/Margreid, Jahrgang 2009, und Winkl, Kellerei Terlan, aus dem Jahrgang 2009 – beide aus Südtirol. Der dritte Italiener im Bunde: Collio von Felluga aus Gradisca d’Isonzo, Jahrgang 2008. Die Franzosen: Ein Pouilly fumé von der Domaine Tabordet aus Verdigny an der Loire, Jahrgang 2009, und einen 2010er Sauvignon blanc aus der Touraine von der Domaine du Clos du Bourg. Der österreichische Vertreter: Steinmühle vom Weingut Kollwentz im Burgenland, Jahrgang 2009. Und zuguterletzt zwei deutsche Weine: ein 2009er vom Weingut Hensel in Bad Dürkheim in der Pfalz und ein 2011er Insel Mariannenaue von Schloss Rheinhartshausen im Rheingau.

 

Ein Wein korkte, fiel damit sozusagen aus dem Rennen. Wie sich später herausstelle, handelte es sich um den Collio. Sorry, über den konnte sich somiit keiner der 16 Probierenden ein Bild machen. Ansonsten stand am Ende fest: Die Geschmäcker sind verschieden. Als absolut konsensfähig kristallisierten sich die Südafrikaner heraus. Zumindest zählten sie überproportional häufig zu den gekürten drei Favoriten und so gut wie nie zu den drei am schlechtesten bewerteten Weinen. Die Nase vorn hatte dabei La Motte, der nicht ein einziges Mal unter den Weinen auftauchte, die nicht geschmeckt hatten. Ausgleichende Gerechtigkeit dagegen, was den von den meisten unter den drei Loser-Weinen gelisteten Sauvignon aus der Touraine angeht: Er schaffte es immerhin bei zwei Probenteilnehmern aufs Treppchen. „Die haben halt denselben schlechten Geschmack“, lautete ein lakonischer Kommentar. Auf jeden Fall haben sie einen den Geldbeutel schonenden Geschmack: Der Franzose aus dem Sortiment von Jacques‘ Weindepot war der günstigste Wein im Teilnehmerfeld.

Wass übrigens die Treffsicherheit der teilnehmenden Weinfreunde angeht, so sind keine Rekorde zu vermelden: Die Maximalzahl von fünf richtig erkannten (oder doch eher richtig geratenen) Weinen hat unsere Freunding Claudia erreicht. Ein feines Näschen, wie die meisten Frauen. Zwei bis drei hatten manche andere richtig. Aber es gab auch reichlich Teilnehmer, auf deren reich mit Verkostungsnotizen verzierten Liste („Katzenpipi“) sich kein einziger Treffer fand. Egal, ein großer Spaß war’s trotzdem. Und beim nächsten Mal machen wir es uns einfacher. Zum Beispiel indem wir Rot- und Weißwein unterscheiden.

Nein, Scherz bei Seite. Pläne fürs nächste Mal wurden bereits am Abend geschmiedet. „Spätburgunder“, warf Stefan eine weitere sortenreine Probe ins Rennen. „Jeder bringt seinen Lieblingswein mit“, forderte Richard. Ich bin sicher, da fällt uns noch etwas ein.

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