Bonner Hinterhof mit Charme: Forissimo und Remise im alten Regierungsviertel

Idylle im Innenhof: Karodecken für Tische und Weinkühler im Forissimo.

Idylle im Innenhof: Tische und Weinkühler tragen Karo im Forissimo.

Auf einer Seite ragt der Posttower in den sommerlichen Abendhimmel, auf der anderen flankiert der Lange Eugen die Hinterhof-Idylle. Von Verekhrslärm keine Spur, sondern lauschige Idylle. Im früheren Regierungsviertel hat sich das Karee zwischen Kurt-Schuhmacher- und Fritz-Erler-Straße zu einer kleinen, aber feinen Ausgehmeile gemausert, die fast schon ein wenig großstädtisch anmutet, auch wenn sie nur aus zwei Restaurants besteht: Dem „Forissimo“, alteingesessenem Italiener der Familie Robichon und irgendwie ein Relikt der Bonner Republik, steht nur wenige Schritte durch den Garten, die neu eröffnete „Remise“ gegenüber, die sich zur Edel-Kantine der Post mausert. Beide Lokale sind einen Besuch wert. Und wer im Forissimo anfängt, kann auch zum Absacker in die Remise wechseln.

Thunfisch-Filet mit Kräutermarinade im Forissimo.

Thunfisch-Filet mit Kräutermarinade im Forissimo.

Im Forissimo hat auf den ersten Blick alles seine schöne Ordnung: Die Tische auf der Terrasse im Grünen sind mit karierten Tischtüchern eingedeckt. Der frühere Außenminister Klaus Kinkel schwäbelt am Nachbartisch oder erinnert sich mit dem Patron an vergangene Tennismatches. Es ist irgendwie wie bei alten Freunden im Souterrain der alten Villa. Das kann auch der junge Kellner nicht verderben, der nicht zu den umsichtigsten seiner Zunft zählt. Da wird aus dem Carpaccio von Gambas eine Gazpacho mit Flusskrebsen. Aber macht nichts, schmeckt auch gut. Genauso wie die Burrata mit Pfifferlingen.

Innenhof als Resto-Meile: Blick vom Forissismo hinüber zur Remise.

Innenhof als Resto-Meile: Blick vom Forissismo hinüber zur Remise.

Die beiden Hauptgänge, die auf den Tisch kommen, haben wir wahrhaftig auch bestellt: Thunfisch-Filet mit Kräutermarinade und Fettucine mit Sommertrüffeln. Mmmhh. Wie so oft lassen wir die Teller wandern, um von allem zur probieren. Nach dem Essen kommt die Rechnung ungefragt. Ist aber ohnehin nicht unsere. Dafür hat der fürsorgliche Kellner schon mal einen 20-Euro-Schein in das Etui gelegt. „Selten, das der Gast was rauskriegt“, sagen wir und lachen. Wechselgeld und Rechnung wandern an einen anderen Tisch, wo sie hingehören. Dafür stellt der Chef uns ein Glas Grappa auf den Tisch. Wohlgemerkt eines. Für zwei. Inzwischen glauben wir an eine versteckte Kamera. Aber Kinkel, der mit der Familie da ist, bekommt auch nur einen. Und der Chef spricht erklärende Worte: „Das soll unser neuer Hausgrappa werden. Sie müssen mir sagen, was sie davon halten.“ Alle nicken zustimmend und lassen das Glas am Tisch kreisen.

Neues Leben im alten Regierungsviertel: die Remise.

Neues Leben im alten Regierungsviertel: die Remise.

Ein schöner Abend, den die Slapstick-Einlagen keineswegs verderben, sondern unvergesslich machen. Langsam wird es Nacht über dem Karree, das von Asbeck-Immobilien gesäumt wird, deren älterer Teil früher als Landesvertretungen oder Sitz von Verbänden dienten. Die neueren Häuser wurden zumeist gleich für die Postler maßgeschneidert. Die und andere Mitglieder der internationalen Bonner Community sitzen vielsprachig schwatzend vor der Remise. Damit unser schöner Abend noch nicht zu Ende geht, wechseln wir durch den mit Blumen überwachsenen Löwengang auf die Terrasse des neu aufpolierten denkmalgeschützen Kutscherhäuschens. Aber vorher drehen wir noch eine Runde durch die Innenräume, die an dem schönen Abend verwaist sind. Rehgeweihe, chinesische Tonpferde, Fische, ausgestopfte Raben und Pfauen, ein tierisches Ambiente. Menschliche Knalleffekte setzen Prince und Katy Perry im Ultra-Großformat. Eine Mischung aus Soho-Schick mit offener Küche und Neonlicht. Großstadtflair im Regierungsviertel

Die kellnernden Mädels sind nett und echt auf Zack, stecken in netten Leinenhemden, Jeans und Turnschuhen. Alles lässig, aber edel. Auf der Karte: Steak und Kaviar, Steinbutt und Lamm-Carrée. Wir trinken noch ein Glas Wein, aber auch dann ist man willkommen. Sogar so sehr, dass Pächter und Küchenchef Robert Maas auf seiner Runde von Tisch zu Tisch auch bei uns halt macht. „Nicht hier gegessen? Dann beim nächsten Mal.“ Gerne erzählt er von seiner Philosophie und davon, dass es demnächst neben dem Bistro noch ein edles Restaurant geben soll. Dann führt er die Gäste vom Nachbartisch in die Küche. Und schon wieder ist es ein bisschen wie bei alten Freunden.

Forissimo, Kurt-Schuhmacher-Straße 18-20, 53113 Bonn, Telefon 0228-2897700.  Öffnungszeiten: montags bis freitags von 12-15 Uhr und von 18.30-23 Uhr

Remise, Fritz-Erler-Straße 7, 53113 Bonn, Telefon 0228-933 99 333. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags durchgehend geöffnet ab 11.30 Uhr,
samstags ab 18.00 Uhr, open end, Küche bis 22.00 Uhr, Sonntag & Montag Ruhetag.

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