Der Meister der kleinen Dinge: Emil Kuntz in Hayna

Ein Kunstwerk: Lachs mit Tapioka-Perlen macht auch optisch was her.

Ein Kunstwerk: Sushi vom Nori-Lachs mit Tapioka-Perlen macht auch optisch was her.

Herxheim-Hayna liegt da, wo die hügelige Südpfalz in die Rheinebene übergeht. Also eigentlich da, wo die Weinhügel in große Getreidefelder auslaufen. Und trotzdem ist die Krone ein heißer Tipp für ein wunderbares Wochenende. Es locken das besternte Gourmet-Restaurant und die Pfälzer Stuben mit dem von schon von Helmut Kohl und Kurt Beck geschätzten Saumagen. Der schmeckt im Sommer auch auf der Terrasse im schönen Innenhof. Und damit die Kalorien sich nicht allzu schwer auf der Hüfte niederschlagen, gibt es ein reichhaltiges Sportangebot, das von Hallenbad und Sauna über Außenpool und Tennisplatz bis zu den Jogging- und Fahrradstrecken im nahegelegenen Wald und über die Felder reicht.

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Die Etagere mit den Amuse bouches im Kronen-Restaurant.

Kulinarisch liegt Herxheim-Hayna aber nicht nur in der Pfalz, sondern auch mitten in Asien.  Zumindest im Kronen-Restaurant. Was die Darreichungsform angeht, ist Emil Kuntz im Herzen aber auch irgendwie Spanier. Wie sonst würde sich sein Hang zu den tapa-artigen Miniaturen erklären lassen, die er als Amuse bouche zu Beginn jedes Essens auftischt, die aber auch in manchen seiner Gänge erneut auftauchen? Ein Meister der kleinen Dinge ist der asketische Langstreckenläufer, der sich bescheiden im Hintergrund hält und lieber seine Kreationen für sich sprechen lässt.

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Hummer mal anders: Krokette, Kaninchensülze und Maracuja-Salat.

Notfalls auch mit Hilfe eines kleinen Merkzettels. Denn wer könnte  sich all die Köstlichkeiten schon merken, die sich auf der Etagere mit den Amuse bouches stapeln, davor oder danach für einen fulminanten Auftakt sorgen, auch wenn der nette Service sie alle formvollendet präsentiert? Andachtsvoll genießen wir kleine Gedichte wie die Entenpraline auf asiatischem Enoki-Pilz-Gemüsesalat oder die Luxusversion einer Bruschetta. Mini-Hamburger,gefüllt mit Saibling, gebeizter Rinderrücken auf Pumpernickel mit Rotweinschalotten oer Kurkumahörnchen mit Avocado und Gamberoni. Aus dem Rahmen fällt da allein die Verbeugung vor der Region in Form von Saumagenwürstle auf Rahmsauerkraut. „Kulinarische Gaumenkitzler“ nennt der Chef diese Armada von Geschmacksbömbchen. Und, entgegen aller Annahmen, freut man sich auf alles weitere und hat noch lange nicht genug.

Neuseeländer Ochs in Spätburgunder mariniert mit Pfälzer Grumbeere.

Neuseeländer Ochs in Spätburgunder mariniert mit Pfälzer Grumbeere.

Auch der erste reguläre Gang kommt, wie sollte es anders sein, in Form mehrerer Kleinigkeiten auf den Tisch. „Hummer mal anders“, als Gratin, als Krokette und als Maracuja-Salat. Und selbst das Gratin, sonst nicht gerade meine Liebling, zumal wenn die Gefahr besteht, sowas Feines wie den Hummer mit Sauce zuzukleistern, machen immer noch Appetit auf mehr. Die Weinbegleitung bleibt jetzt und auch später regional in der Pfalz verhaftet und das ist auch gut so. Wer das nicht möchte, kann sich aber auch anders entscheiden zu Gänseleber, leicht geräuchertem Zander oder in Zitrusöl pochierter Jakobsmuschel. Der Neuseeländer Ochs zergeht auf der Zunge. Und spätestens jetzt beginnt der Kampf mit sage und schreibe vier Desserts und anschließenden Kuchen und Pralinen. Da helfen nur noch ein Schnaps und ein Spaziergang sowie eine heftige Dosis Sport am nächsten Morgen.

 

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