La Cor de Chasse in Wéris: Sterneküche zum Spottpreis

Blick in die Küche: Mario Elias am Herd.

Blick in die Küche: Mario Elias am Herd.

Ute hat schon gequengelt, dass es so lange dauert, bis hier etwas von unserem kulinarischen Wochenend-Trip in die Wallonie zu lesen ist. Und Recht hat sie, auch wenn unser Spätsommer-Ausflug ins La Cor de Chasse in Wéris wettertechnisch wie so vieles in dieser Jahreszeit, die ihren Namen nicht verdient, ganz regelrecht ins Wasser gefallen ist. Aber bei Dauerregen wussten wir vielleicht auch besonders zu schätzen, welche aromaintensiven Spektakel sich auf unseren Tellern abspielten. Ein kulinarisches Highlight zum vergleichsweise kleinen Preis. Nachahmung dringen empfohlen. Wir machen es sicher auch.

Salz, Olivenöl und Butter.

Salz, Olivenöl und Butter.

Was um Himmels Willen ist „La Rue“?! Trotz unserer eigens mitgebrachten persönlichen Übersetzerin Florence kamen wir dem Namen des geschmacksintensiven Kräutchens zunächst nicht auf die Spur. Denn „die Straße“ konnte es nun wirklich nicht sein. Inzwischen ist der Knoten geplatzt, wir haben mit Hilfe von Internet und Nachschlagewerken die Weinraute identifiziert. Ein Kraut, das wegen seines intensiven Geschmacks und seines ätherischen Öls nicht nur im Grappa und in Fleisch- und Fischgerichten, sondern auch in Parfüm seine Anwendung findet.

Willkommen, bitte eintreten.

Willkommen, bitte eintreten.

Diese und andere Aromabomben finden sich auf den Tellern, die Mario Elias in dem renovierten Gutshaus aus dem 17. Jahrhundert anrichtet. Immer wieder tauchen kleine Geleetupfer mit den verschiedensten konzentrierten Aromen auf, darunter immer mal Zitrusfrüchte. Und die verwendet er zum Beispiel auch in Kombination mit Schokolade in den selbstgemachten Pralinen, die uns zum Willkommens-Champagner im Kaminzimmer serviert werden. Ein Wohlgeschmack, der zunächst ebenfalls Rätsel aufgibt. „Bergamotte“, schlägt Ute vor. Und liegt damit richtig.

Später nehmen wir den Aperitif an der Table d’hôte, von der aus der Blick durch eine große Glasscheibe in die Küche schweift. Erstaunlich, mit welcher Ruhe das Team um den Chef zu Werke geht. Die Restaurant-Küchen typische Hektik? Fehlanzeige. Knappe Anweisungen im Kommandoton? Dito. Dafür gibt es köstliche Amuse gueules, die Augenweide und Gaumenschmaus zugleich sind. Überhaupt ist jeder Teller ein Gedicht. Das Zweierlei vom Kalb, das als Tatar mit frischen Zitrusaromen und als in dünne Scheiben aufgeschnittener Braten mit einer köstlichen Vinaigrette daher kommt. Ganz besonders der Wolfsbarsch, der nicht nur perfekt auf der Haut gebraten ist, sondern zusammen mit Tomaten, Aubergine und diversen Kräutern einfach köstliches Soulfood abgibt. Wenn man da nicht wüsste, dass noch weitere Gänge warten, würde man dringend nach mehr verlangen. Der junge und nette Service hat das ausgebuchte Restaurant im Griff, was zugegebenermaßen dadurch erleichtert wird, dass mehr oder minder alle das große Menu Prestige wählen. Ergänzt um die Weinbegleitung.

Das Sechs-Gang-Menu wächst sich dank der zahlreichen Amuse gueules und des Pré Desserts zu einer phantastisch langen Speisenfolge aus. Und trotzdem ist keiner von uns am Ende übersättigt. Was daran liegt, dass Mario Elias auf jegliche Sättigungsbeilagen verzichtet. Der Hummer beim Zwischengang, die Ente im Hauptgericht, die Zutaten sprechen für sich. Kombiniert mit den überraschenden Aromen aus Gemüsen, Gewürzen, Früchten und Kräutern. Das passt auch für unseren Freund, der so gut wie immer auf Kohlehydrate verzichtet und auch beim Zucker passen muss. Kein Problem für die Küche, die ihm ein besonderes Dessert anrichtet. Einen Teller voller wunderschöner Früchte, Blumen und Kräutlein, der duftet, als würde an diesem verregneten Wochenende der Sommer auf dem Tisch stehen.

Damit ist unsere „Formule gastronomique 1 nuit“ noch lange nicht zu Ende. Beschwipst fallen wir in die Betten unserer originell gestalteten Zimmer in der Bergerie. Nach dem Frühstück drehen wir mutig eine Runde ums Dorf, angeblich eines der schönsten der Wallonie. Aber der Dauerregen macht uns zu schaffen. Egal, am Mittag sitzen wir wieder an der Table d’hôte, wo diesmal für das ganze Essen für uns eingedeckt ist. Denn ein Drei-Gang-Menu zählt auch noch zu dem Arrangement, das in Summe 160 Euro pro Person kostet. Alles inklusive, nur die Weinbegleitung, Wasser und Kaffee kommen extra. Und wir kommen wieder, schon allein weil an dem verregneten Wochenende wirklich keiner von uns in den Pool hinter dem Haus gesprungen ist. Das müssen wir nachholen. Ganz bestimmt.

 

Le Cor de Chasse, Rue des Combattants 16, 6940 Wéris, Belgien. Telefon 086-211498.

 

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